Schreiben ist Pflaster für die Seele Kapitel 3

Krisi versinkt in der Geschichte von Anna Karenina…..

Schon in den ersten Zeilen verschmelze ich mit den Figuren, werde zu Anna in den prachtvollen Kleidern in den herrschaftlichen Häusern, in der Zeit von Zaren und Fürsten. Moskau, St. Petersburg, Russland.

Ich verliere das Gefühl von Raum und Zeit und denke nicht ein einziges Mal daran, was meine Mutter sagen wird,  wenn sie entdeckt, dass das Buch nicht mehr da ist. Ich bin  in einer anderen Welt, in einer anderen Zeit.

Plötzlich packt mich eine harte eiskalte Hand am Arm, zerrt mich aus der Fliederstaude und entreißt mir das Buch. Meine Mutter ist ausser sich vor Zorn. Sie schreit mich an und verpasst mir eine schallende Ohrfeige……

Sprichwörtlich schlagartig werde ich in meine Wirklichkeit zurückbefördert. Ich halte meine Wange, die wie Feuer brennt. Besänftigend redet Vater auf sie ein, was sie nur noch wütender macht. Ihre anklagenden Worte überschlagen sich. Mein Vater bekommt ihre Wut und ihren Verdruss ebenso zu spüren.

„Immer nimmst Du des Mensch in Schutz, verschwind mit ihr zu Deine ….. 

Grauenvolle Bilder steigen in mir auf. Bilder die mich jede Nacht in meinen Träumen besuchen und mich oft vor Angst aufschreien lassen. In solchen Momenten sitze ich mit klopfenden Herzen aufrecht im Bett, bin schweißgebadet und fürchte mich davor, wieder einzuschlafen.

Mit dem nächsten Schlag verschwinden diese Bilder augenblicklich. Ich will nur meine Anna zurück. Ich bettle meine Mutter an. „Bitte Mama ich will das Buch ja nur lesen, gib es mir bitte…. Sie dreht sich schimpfend um und lässt mich weinend zurück. Mein Vater geht mit ihr.

Ich verliere, wie könnte es anders sein. Ich verliere immer, immer gegen diese Frau, die sich meine Mutter nennt. 

Ich bin verzweifelt. Wie ein geprügeltes Hündchen schleiche ich zurück zu meinem Platz in Lila. Mein einziger Freund, sitzt bereits auf der Decke und erwartet mich. Hast Du das gesehen?? beklage ich mich und weine bitterlich. 

„Komm meine Kleine, sei nicht traurig, Du wirst noch soviel Zeit und so oft Gelegenheit haben Bücher zu lesen. Anna und ihre Geschichte wartet auf Dich. So viele Geschichten dieser Welt warten auf Dich, warten darauf erzählt zu werden und eines schönen Tages wirst Du Deine eigene Geschichte erzählen….. 

Sicher fragen Sie sich, wer den nun der geheimnisvolle Freund von Krisi ist und wo der plötzlich her kommt?

Zu Krisi hat er gesagt, als er das erste Mal auftauchte, dass er Jesus heißt und dass ihn nur Kinder sehen können, die ganz dringend einen Freund brauchen wenn sie die Liebe und Geborgenheit einer Mutter so sehr vermissen, wie unsere Krisi.

Sie hat es nie hinterfragt, es als ganz natürlich empfunden, dass er da ist wann immer sie ihn braucht, dass er sie tröstet und beruhigt, mit ihr lacht und weint und durch die Wälder und endlosen Wiesen streift.

Nur vor diesem Traum, der sie über 40 Jahre nicht los lassen wird und vor den Erinnerungen an diesen einen Tag kann auch er sie nicht beschützen….

Mittlerweile ist aus unserer jungen Krisi ein altes Mädchen geworden und wie ihr Freund Jesus damals schon prophezeite „irgendwann wirst Du Deine eigene Geschichte erzählen“ den Schreiben ist Pflaster für die Seele.